COVID-19

Ruf nach Nazimethoden: GLP und Mitte wollen Ungeimpfte brandmarken

Es ist ruhig geworden um mich seit Januar diesen Jahres – oder war es Februar? Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht mehr so genau. Aber nein, ich habe nicht aufgegeben – ich hatte einfach keine Kraft mehr, immer wieder das Gleiche zu sagen, zum gleichen Thema. Immer wieder auf diesen Positivitätsraten (die inzwischen so viel Wert sind wie ein gefülltes Robidog-Säcklein) rumreiten, auf der Pseudo-Auslastung der Spitäler…. Ich konnte einfach nicht mehr.

Doch heute wurde ich wachgerüttelt. Durch eine Schlagzeile im Tagi:

Ungeimpftes Pflegepersonal sollte sich mit Sticker kennzeichnen müssen

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Echt jetzt? Ich dachte wirklich, ich kippe aus den Latschen, als ich das gelesen habe. Hier fordert GLP-Präsident Jürg Grossen tatsächlich, dass man ungeimpftes Pflegepersonal mit einem „Sticker“ kennzeichnen soll:

Ja Herr Grossen, welche Form darf dann dieser Sticker haben? Kreisrund, quadratisch, dreieckig – oder vielleicht doch sternförmig?

Ja, ich mag diesen Vergleich mit Nazideutschland eigentlich auch nicht – aber es bleibt mir hier tatsächlich nichts anderes übrig. Haben wir nicht gelernt, dass die Stigmatisierung und Brandmarkung von Menschen im Desaster endet? Haben wir nicht begriffen, dass eine Zweiklassengesellschaft nie friedlich endet? Haben wir den Verstand verloren? Letzteres ist ganz einfach mit einem „Ja“ zu beantworten, wenn man den Artikel weiter liest. Dort fordert die Präsidentin der Gesundheitskommission, Ruth Humbel (Mitte), nämlich, dass auch in Gesundheitsinstitutionen (und wohl bemerkt, wir sprechen hier nur vom Pflegepersonal und nicht von den Patienten) Geimpfte von der Maskenpflicht befreit werden und nur noch die Ungeimpften Maske tragen müssten. Man würde sie dann statt am Sticker, am Tragen der Maske erkennen. – Ja, ich hielt das auch für einen schlechten Witz, aber seht selbst:

Geht es jetzt bei der Maske darum, andere zu schützen, oder geht es darum Menschen, die nicht gewillt sind, sich impfen zu lassen, bloss zu stellen? Ist die Maske nur noch ein Instrument zur Kasteiung der Bevölkerung?

Der ehemalige GLP-Präsident und Nationalrat Martin Bäumle geht sogar noch weiter. Er ist der Meinung, es gebe eine Rechtfertigung für weitergehende Einschränkungen in der Bundesverfassung. In der BUNDESVERFASSUNG. Zieht Euch das mal rein:

So, in der Bundesverfassung steht geschrieben, unter Artikel 10a3, Verbot der Verhüllung des eigenen Gesichts, dass man grundsätzlich im öffentlichen Raum das eigene Gesicht nicht verhüllen darf. Ausgenommen sind neben Sakralstätten auch Gründe der Gesundheit, der klimatischen Bedingungen und des einheimischen Brauchtums (Fasnacht, Tschäggättä, etc…):

SR 101 – Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (admin.ch)

So, jetzt kleine Denksportaufgabe: ungeimpftes Personal soll Maske tragen. Eine Maske, von der wir immer wieder hören, dass man sie nicht zum Eigenschutz, sondern zum Schutz der anderen trägt… okay. Also, wenn man Nichtgeimpfte dazu zwingt, Maske zu tragen zum Schutz der Geimpften, die ja durch die Impfung geschützt sind, dann macht das in welchem Universum genau Sinn? Es müsste ja rein theoretisch umgekehrt sein. Nämlich die Geimpften, die den Virus zwar in sich tragen können, dieser aber dank der Antikörper nicht ausbricht, könnten den Virus rein theoretisch weiter übertragen – an die Nichtgeimpften. Also müssten eigentlich die Geimpften Maske tragen und nicht umgekehrt. Was wiederum heissen würde, dass man die Geimpften bestrafen würde dafür, dass Ungeimpfte von ihrem guten Recht, auf eine Impfung zu verzichten, Gebrauch machen.

Klar kann man sagen, ja das ist Gefährlich und die könnten krank werden – aber sie haben sich dafür entschieden, dieses „Risiko“ einzugehen. Sie haben sich dafür entschieden, nicht geimpft zu werden. Und Leute, das ist okay! Es sind nicht schlechtere Menschen, minderwertigere Menschen, bösere, assozialere Menschen. Nein. Es sind Menschen die eine Entscheidung getroffen haben. Punkt. Also lasst sie in Ruhe!

Aber zurück zum ursprünglichen Thema: Wofür ist jetzt die Maske genau? Für die Kasteiung des Volkes oder zum Schutz der Gesundheit? Denkt mal darüber nach.

Als ich schon dachte, es kann nicht mehr schlimmer kommen, ist mir dieser Artikel von 20Minuten begegnet – und das, kurz bevor ich eigentlich schlafen gehen wollte.

Da beklagt sich die Mitarbeiterin eines Unternehmens, darüber, dass sie als Ungeimpfte nicht mehr mit ihren Kollegen zu Mittag essen dürfe, sie müsse ihren Lunch am Arbeitsplatz einnehmen. Ausserdem müsse sie den ganzen Tag eine FFP2-Maske tragen, während sich ihre geimpften Kollegen maskenfrei bewegen können.

Eine andere Mitarbeiterin eines Logistikbetriebs habe zwei Wochen Zeit gehabt um ihren Impfnachweis der Personalabteilung einzureichen. Wer nicht geimpft sei, müsse weiterhin Maske tragen. „Ich finde es schlimm, dass Ungeimpfte durch dieses Vorgehen gebrandmarkt werden“, erklärt sie gegenüber der Pendlerzeitung. Die junge Frau, die ihren Namen nicht sagen will, weil sie Angst vor ihrem Arbeitgeber hat, stört sich auch daran, dass einzelne Arbeitnehmer diesem Druck nachgeben, obwohl sie sich eigentlich gar nicht impfen lassen wollten.

Traurige Zustände. Einziger beruhigender Lichtblick an diesem Tag war die Gewerkschaft UNIA (und das sage ich, die sonst eigentlich gar nicht auf der UNIA-Welle reitet). Diese gab auf Anfrage von 20Minuten nämlich folgende Antwort:

Einen Impfnachweis von seinen Mitarbeitenden zu verlangen ist unzulässig. In der Schweiz herrscht erstens keine Impfpflicht und zweitens verletzt der Arbeitgeber das Persönlichkeitsrecht der Angestellten, wenn er sie nach derart persönlichen Dingen fragt.

Serge Gnos, Kommunikationsverantwortlicher UNIA

Weiter erklärt Gnos, dass der Arbeitgeber seinen Angestellten einen Pausenraum zur Verfügung stellen muss. Mittagspausen am Arbeitsplatz seien nur zulässig, wenn ein Arbeitnehmender etwa im Pikettdienst ist.

So, und was mache ich jetzt mit all den Informationen? Keine Ahnung. Es ist wirklich schwierig abzuschätzen, in welche Richtung wir uns bewegen. Mich macht, wenn wir zurückkommen auf den einleitenden Teil dieses Blogs, einfach traurig, dass wir wie die Schafe hinter irgendwelchen Leuten herrennen und uns dabei tatsächlich auch noch fragen, wie so etwas wie vor 80 Jahren passiert ist, überhaupt möglich war.

Leute – so! So war das möglich.

Ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich mich für mein Land, dessen Regierung, dessen sogenannte Volksvertreter und leider teilweise auch für dessen Volk schäme.

Und bevor jetzt all die dummen „ja dann geh‘ doch wo anders hin“ Rufe laut werden. Nein. Ich werde nirgends anders hin gehen. Ich bin hier geboren worden, hier aufgewachsen. Das ist mein Zuhause. Und das lasse ich mir nicht kaputt machen. Weder politisch noch gesellschaftlich. Und darum, darum bin ich jetzt auch wieder da mit meinen Blogs.

Danke für Eure Geduld!

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