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Eine Meditation von Helene Lanz

Gelesen von der Hamburger Schauspielerin Iris Minich.

Unser Leben und Corona

«Und sie sägten die Äste ab, auf denen sie sassen und schrien sich ihre Erfahrungen zu, wie man schneller sägen könnte, und fuhren mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen, schüttelten die Köpfe und sägten weiter.»

Bertold Brecht

Wo sind wir denn gelandet, dass wir unsere eigene Lebensgrundlage zugrunde richten? Und wie können wir Menschen uns selbst dazu bringen, in unser eigenes Überleben einzuwilligen?

Zurückkehren zur Normalität?

Fast alle Menschen wünschen sich wieder Normalität. War das, was wir vorher lebten, denn «normal»? Oder war es einfach Gewohnheit und Bequemlichkeit? Was heisst denn Normalität? Dass alles wieder so wird, wie es war? Ein Hamsterrad?

Die momentanen Zustände sprechen für sich.

«Wir können unseren Schmerz, den physischen und den emotionalen, als Katalysator benutzen, um einen Heilungsprozess einzuleiten, der über das Kurieren von Symptomen hinausgeht. Sonst kehren wir bloss auf den Weg zurück, auf dem wir waren, bevor wir erkrankten. Heilung dagegen bedeutet Transformation. Unser Schmerz und unser Leiden werden zum Vehikel der Veränderungen unseres Lebens. Wir heilen unseren inneren Schmerz, unsere Beziehungen, unsere Herzen und unsere Seelen.»

Dean Ornish

Die Aufforderung des Virus

Wo dieses Virus auch herkommt und was für Hintergründe es auch haben mag – eigentlich müssten wir ihm trotz allem dankbar sein. Dankbar, dass es unsere Welt stillegt, um nachdenken und nachspüren zu können. Um zu erleben, dass es auch anders geht. Das war im ersten Lockdown. Jetzt können wir „dem Virus“ dankbar sein, weil das, was er jetzt auf dieser Erde auslöst, Jeden von uns herausfordert, unsere Macht, im Sinne von Kraft, wieder zu uns zurück zu nehmen. In unsere Eigenverantwortung zu stehen und laut und deutlich „Nein“ zu sagen zu diesen unverhältnismässigen Beschränkungen, die uns die Regierungen versuchen aufzudrängen. Und  die Lügen zu sehen hinter den Dingen.

Es ist an der Zeit herauszufinden, was wirklich wichtig ist in unserem Leben. Nicht nur für Augenblicke oder Wochen, sondern für unsere ganze Lebenszeit und für alle, die nach uns auf diesem Planeten leben werden. Die Erde, das Leben ist ein Geschenk. Der Erde ist es egal, wenn es uns nicht mehr gibt.

Das Virus ist eine eindeutige Aufforderung, unsere Umwelt, unser unablässiges Wachstum der Wirtschaft, unser Gesundheitssystem, unser Geldsystem, unser Schulsystem, die immer grösser werdenden Dimensionen von Überwachung und unser ausbeuterisches Verhalten gegenüber Mensch, Tier und der gesamten Natur auf unserem Planeten zu überdenken. Jetzt wirklich hinsehen und uns den Auswirkungen bewusst zu werden, die unser Tun und Handeln bewirken –persönlich wie global. 

Corona: Krone, Heiligenschein. Das bedeutet, verbunden sein mit der göttlichen Kraft. Cor: Herz Co: Miteinander, Gemeinschaft. Also keine Trennung, Isolierung, die schwächt, sondern ein Miteinander, das stärkt.

Angst, Panik, Trennung, Einsamkeit schwächen uns, Liebe, Freude, Vertrauen, Nähe Verbundenheit stärken uns.

Wir waren und sind immer noch daran, unser eigenes Grab zu schaufeln, dabei können wir so schlecht mit dem Tod umgehen. Wollen wir weiterschaufeln? Wir sind ziemlich gespalten, traumatisiert und verletzt – als Individuen wie auch als Völker. Wir werden zurzeit persönlich und kollektiv zutiefst mit unseren Ängsten konfrontiert.

Die Zeit ist definitiv reif, uns selbst bewusst zu werden und den Auswirkungen, die wir hervorrufen. Alles ist miteinander verbunden. Wir sind nicht getrennt vom Äusseren. Was da in der Welt gerade passiert, passiert auch zutiefst in unserem Innern.

Ein Umdenken ist Not- Wendig, vom Mangeldenken in die Fülle, vom Feinddenken zum Friedensdenken. Ständig kämpfen wir gegen oder für etwas. Stattdessen könnten wir uns unterstützen. Unseren Körper, unser Immunsystem und unsere Seelen. Disbalance bringt Krankheit. Lernen wir, in der Weise für uns zu sorgen, wie es eine liebevolle Mutter tut. Uns zu entscheiden für mehr Menschlichkeit, Achtsamkeit und Mitgefühl. Mit den Füssen fest auf der Erde, tief verbunden mit der spirituellen Kraft.  

Was kann ich in meinem persönlichen Leben tun, um gleichzeitig in der Welt eine Veränderung zu bewirken? 

  • Mich selbst und meine Geschichte akzeptieren, anerkennen, ohne zu urteilen oder zu verurteilen. Lernen, einfach zu beobachten. Meine Traumata, meine Verletzungen wollen ans Licht gebracht, gesehen, gewürdigt und geheilt werden. Wo sitzen sie denn, meine tiefsten Ängste, meine grössten Verletzungen? Spüre ich mich? nehme ich mich wahr? Vertraue ich mir? Ist da Wut, Empörung, Verzweiflung, Ohnmacht? Was mache ich damit? Projiziere ich es nur nach Aussen oder kann ich erkennen, dass es auch meine persönlichen Themen sind?
  • Meinem Körper und meiner Seele zuhören, wenn sie sprechen, bevor ich krank werde. Und somit die volle Verantwortung für mein Leben übernehmen.
  • Freiwillig aus meiner Komfortzone heraustreten und erfahren, dass Verzicht auch Gewinn, ja sogar Freiheit bedeuten kann. Weniger ist mehr. Dinge ausprobieren und anders machen als bisher. Einen Schritt ins Ungewisse, Unbekannte wagen, erfahren wie es sich anfühlt, mutig zu sein.
  • Alle Informationen und Medienberichte kritisch hinterfragen. Nachforschen und differenzieren. Selber denken und Meinungen nicht einfach übernehmen. 
  • Überprüfen: Wie denke ich? was denke ich? was glaube ich? was für Glaubenssätze habe ich? Woher habe ich sie? Stimmt wirklich, was ich glaube, und welche Auswirkungen hat es in mir? Fühle ich mich eingesperrt in meine Denkmuster oder fühle ich mich frei? Wir erschaffen uns unsere Welt mit unseren Prägungen, Gedanken und unserer Absicht.

In diesem Sinne wünsche ich uns Menschen eine gesunde, angstfreie, heilende und transformierende Zeit. Mögen wir zusammen eine friedvolle Welt kreieren.

Helene Lanz
Langenthal

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