Plattform COVID-19

Interview mit Pflegefachkräften

Die Vereinigung „Mündige Bürger Thurgau“ hat in Eigeninitiative ein Interview mit Pflegefachkräften aus Spital und Spitex zur aktuellen Corona-Situation geführt.

Das betreffende Spital wird zum Schutz der Interviewten nicht genannt.

Die „Mündige Bürger Thurgau“ stellen klar, dass es sich hier um subjektive Meinungen handelt, die sie gerne jederzeit zur Diskussion stellen.

Wie lange seid ihr in diesem Beruf, also wie viel Berufserfahrung habt ihr? 

Wir haben ca. 30 Jahre Erfahrung in unserem Beruf als Pflegefachfrau/Pflegefachmann. Wir können also auf eine lange Zeit der Erfahrung zurückblicken und haben auch viele kritische Situationen erlebt. 

Wie schätzt ihr die momentane Situation bezüglich Corona ein? 

Wir erleben einen extremen Unterschied zwischen unserer täglichen Arbeit und der Darstellung in den Medien. Wir machen unsere Arbeit eigentlich wie immer und die Überbelastung in unserem Job ist unser Alltag. Den Hype, der um Corona gemacht wird, können wir nicht nachvollziehen. Wir haben eine Situation, wie jedes Jahr im Herbst/Winter. Wir arbeiten am Anschlag und Überstunden sind an der Tagesordnung, aber eben das ist normal zu dieser Jahreszeit. 

Was könnte man tun, um der generellen Überbelastung des Personals entgegen zu wirken? 

Wir wünschen uns eine echte Aufarbeitung unserer Situation im Gesundheitswesen. Wir haben chronischen Personalmangel und das schon seit Jahren. Da müssen Konzepte entwickelt werden, die das Wohl des Menschen in den Vordergrund stellen. Es darf nicht um Gewinnmaximierung oder Profit gehen, sondern um die Gesundheit des Menschen. Natürlich muss auch eine bessere Bezahlung des Personals debattiert werden. Das ist alles unabhängig von Corona. Diese Krise zeigt uns nur die Schwachpunkte auf, die schon lange im Raum stehen. 

Ist nach eurer Meinung Covid-19 vergleichbar mit einer saisonalen Grippe oder ist es schlimmer als in den anderen Jahren? 

Die Symptome von Covid-19 sind die gleichen, wie bei einer Influenza- Grippe. Aber der Umgang mit den Patienten ist ein anderer. Für Covid-19-Patienten gelten besondere Schutzmassnahmen. Für jeden Covid-19-Patienten müssen die Kleidung und das andere Schutzmaterial, wie Handschuhe, Mundschutz usw. ständig gewechselt werden. Diese Massnahmen sind das Problem. Sie nehmen enorm viel Zeit in Anspruch und sind u.E. nicht verhältnismässig und sollten überprüft werden. Unserer Meinung nach würden Schutzmassnahmen, wie sie ohnehin im Spital (Intensiv) Vorschrift sind, völlig ausreichen. Weiterhin kommen Menschen zu uns, die völlig verängstigt sind und bei denen ein PCR-Test gemacht werden soll. Das ist in vielen Fällen völlig unnötig und bindet unsere Kapazitäten. Diese allgemeine Verängstigung der Bevölkerung muss beendet werden. Die Medien berichten jeden Tag über absoluten Fallzahlen ohne diese in eine Relation zu setzen. Der Bundesrat sollte diese Panikmache unterbinden und bei der Beurteilung der Situation auf eine angemessene Beruhigung der Lage hinwirken. Panik schadet in solchen Situationen, schafft Ängste, die verheerende Auswirkungen haben. Die Psychologen und Therapeuten haben Hochkonjunktur. So werden sogenannte Kollateralschäden erzeugt, die u.E. weitaus grössere Auswirkungen haben als die Krankheit selbst. Zumindest muss dies berücksichtigt und in den Fokus gerückt werden. Wir regen eine entsprechende Auswertung an, die zu einer Beurteilung der Verhältnismässigkeit der Massnahmen beitragen würde. 

Wie sieht es mit den Intensivbetten aus? Was könnt ihr dazu sagen? 

Die Auslastung der Intensiv-Plätze entspricht der Herbst/Wintersaison. Es ist zu dieser Jahreszeit immer eine Auslastung von 80 bis 85% normal. Bisher gibt es aus unserer Sicht noch keine andere Situation als in den anderen Jahren. 

Wie ist nach eurer Erfahrung der Altersdurchschnitt der Covid-19- Patienten in eurer Einrichtung/Arbeitsumfeld? 

Der Altersdurchschnitt liegt eindeutig bei 80+ (Anm d.Red.: dies wird bestätigt durch einen Blick Artikel, der fünf Covid-Verstorbenen gedenkt). Die Situation stellt sich für uns so dar: Es werden vorwiegend Patienten aus Alten-und Pflegeheimen eingeliefert. Diese Menschen haben Vorerkrankungen und sind z.T. auch in der Palliativ-Therapie. Diese Erkrankten sollten weiterhin, auch mit positivem PCR-Test, palliativ behandelt werden und nicht ins Spital eingeliefert werden. So sind auch Besuche von Angehörigen fast nicht mehr möglich, was eine höhere Belastung für diese Menschen darstellt und nicht zur Genesung beiträgt. Es fehlt die menschliche Nähe und Wärme.

Es muss verstärkte Schutzmassnahmen für Alten- und Pflegeheime geben, aber kein wegsperren bzw. vollkommene Isolation dieser älteren Menschen

Jetzt ist ja geplant, auch das Pflegepersonal vorrangig gegen Covid-19 impfen zu lassen. Würdet ihr persönlich das tun und wie schätzt ihr bei euren Kollegen diese Bereitschaft ein? 

Nein, wir würden uns nicht impfen lassen. Hier geht es um eine neuartige mRNA-Impfung, die gar nicht ausreichend getestet sein kein. Der Zeitraum für solch eine Testung ist viel zu kurz, vor allem um Langzeitschäden zu beurteilen. Ausserdem wurde solch eine mRNA-Impfung noch nie beim Menschen angewendet. Hier ist uns der Schutz unserer eigenen Gesundheit wichtig, zumal der nachhaltige Nutzen überhaupt noch nicht nachgewiesen ist. Hier muss mehr Aufklärungsarbeit über diese neuartige Impfung geleistet werden. Es müssen auch alle Inhaltsstoffe, die in dieser Impfung enthalten sind, publik gemacht werden. Diese Meinung wird u.E. mehrheitlich bei unseren Kollegen auch so vertreten. 

Was würdet ihr in der jetzigen Situation von den Politikern erwarten bzw. euch wünschen? 

Wir würden gern erreichen, dass die Politiker sich beim Personal, die direkt „an der Front“ arbeiten, erkundigen, wie die Situation aussieht. Es müssen Ärzte, Fachpersonal angehört werden, die aktiv in diesen Bereichen tätig sind. Wir möchten einen echten Diskurs, nur so kann man einen Konsens finden und angemessene Massnahmen erlassen. 

Die Politiker können die Situation nicht beurteilen und auch die Taskeforce ist nicht direkt am Geschehen in den Spitälern und bei den Kranken beteiligt. Wir wünschen uns einen breiten Austausch mit allen Experten, die auf diesem Gebiet arbeiten. Wir brauchen hier weniger Theorie oder Statistik, aber mehr Praxiserfahrung, auch von kritischen Stimmen. Wir wollen keine Konfrontation oder nur kritisieren, das bringt uns nichts! Wir wollen den bestmöglichen Weg in dieser Situation und dafür brauchen wir kompetente Stimmen und Meinungen aus der Praxis. 


Anmerkung: 

Wir regen an, einen Runden Tisch mit Teilnehmern aus den Spitälern, Arztpraxen und Gesundheitsexperten aus der gesamten Schweiz zu bilden und Lösungen zu finden, die verhältnismässig sind und der Situation gerecht werden. 

Wir bitten den Bundesrat, dies umsetzen, da nur so eine win-win-Situation erreicht werden kann. Die Bevölkerung wird durch direkte Vertreter von praxisnahen Fachleuten beteiligt und der Bundesrat gestärkt. So werden die Massnahmen von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen.

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