COVID-19

Die Spitäler sind am Anschlag. Sicher?

Seit Wochen, Monaten erzählen uns die Behörden und die Spitäler, sie seien komplett am Anschlag, sie müssten bald schon triagieren, sie hätten keine freien Bettenkapazitäten mehr.

Kantonsarzt Rudolf Hauri bei SRF
Uri kommt an den Anschlag
Spitäler am Anschlag (Die Ostschweiz)
Das Spital Interlaken ist am Anschlag (Telebärn)
Spitäler in der Westschweiz sind am Anschlag
Task-Force erklärt, dass die Spitäler voll sind
Spitäler fordern härtere Massnahmen

Ich könnte diese Liste noch beliebig weiter führen. Doch ich habe keine Lust. Und warum? Weil ich heute auf der offiziellen Seite des BAG interessante Informationen gefunden habe. Die Spitäler sind nämlich nur zu gut 75% besetzt:

Quelle: BAG

Jetzt scheint das eine relativ hohe Zahl zu sein, über 75%. Relativ trifft es ganz gut. Denn wer sich etwas mit diesen Zahlen beschäftigt, wird feststellen, dass im Jahre 2015 die Spitäler in grosser Sorge waren, weil ihre Betten ZU WENIG ausgelastet waren. Um ein Spital wirtschaftlich zu betreiben, brauche es eine Auslastung von 85%, liest man etwa in „Die Zeit Online“:

Ebenfalls über die Minderauslastung insbesondere der Regionalspitäler berichtet haben die Luzerner und die Aargauer Zeitung:

Ich gebe zu, im Rechnen war ich nie besonders gut – aber diese Rechnung dürfte wohl nicht nur bei mir nicht aufgehen.

Ich habe Verständnis für das Problem der zu wenigen Pflegefachkräfte – was wiederum eine Folge der ständigen Sparmassnahmen im Gesundheitswesen ist und keinesfalls ein Corona-spezifisches Problem darstellt.

Ich kann ja sogar verstehen, dass man seine Partikularinteressen dann in den Mittelpunkt stellen muss, wenn man am meisten Aufmerksamkeit hat – und das ist für die Spitäler nunmal jetzt. Jetzt haben sie die ganze Aufmerksamkeit, jetzt klatschen Menschen an geöffneten Fenstern für das Pflegepersonal, jetzt hört man ihnen zu.

Ich bezweifle jedoch sehr stark, dass das gesellschaftlich gesehen der richtige Weg ist. Unsere Bevölkerung braucht Halt und Sicherheit. Doch genau das wird ihr im Moment nicht gegeben – im Gegenteil.

Lösen wir doch jetzt erst Mal unser Corona-Problem. Sauber, ehrlich, transparent und verhältnismässig – und nehmen wir uns danach der Problematik im Gesundheitswesen an. Unser Rotstift scheint Spuren in den Spitälern hinterlassen zu haben, die uns eines Tages (und spreche nicht von Corona mit einer Überlebenschance von knapp 98%) einholen könnten. Doch dann ist es zu spät. „Dank“ Corona haben wir endlich auf das Gesundheitswesen gehört und realisiert, dass da wahrscheinlich am falschen Ort gespart wurde. Ziehen wir also für die Zukunft auch daraus unsere Lehren und überlegen vielleicht 2x, bevor wir auf dem nächsten Abstimmungszettel den Rotstift ansetzen.

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