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Sind die Massnahmen verhältnismässig?

Weiterführender Text von Dr. med. Kathrin Meffert-Ruf

Diese Frage ist entscheidend.  Denn bei einem aussergewöhnlich gefährlichen Virus sind aussergewöhnliche Massnahmen wie jetzt, verhältnismässig.  Ist die Gefährlichkeit eines Virus im Bereich von Influenza, wären die aktuellen Massnahmen nicht verhältnismässig.

Die Gefährlichkeit eines Virus definiert sich durch die Todesfälle, nicht durch die Anzahl positiv Getesteter. Auch die Anzahl der Hospitalisierten ist nur bedingt aussagekräftig, werden doch neben wirklich Kranken, die Behandlung benötigen, auch Abstrich-positive Betagte, welche sich wegen der Isolation nicht selber versorgen können, ins Spital gebracht, obwohl es medizinisch gar nicht unbedingt nötig wäre.

Der Schweizer Infektiologe Prof. Dr. med. Philipp Tarr kommt in einem Übersichtsartikel über «COVID-19, Influenza und grippeähnliche Erkrankungen», publiziert im Primary and Hospital Care von dieser Woche (2020:20(12):377-382) zum Schluss, dass «COVID-19 in 10-30% ohne Symptome verlaufe, in über 95% mit einer milden Klinik (ambulante Behandlung) einhergehe, in unter 5% zu Spitaleintritten führt und selten eine Intensivbehandlung nötig mache.  Klinisch kann COVID-19 von Influenza (Grippe) und anderen respiratorischen Viren (z.B. endemische Coronaviren, RSV, Rhinoviren und Metapneumoviren) häufig nicht unterschieden werden. Influenza und COVID-19 imponieren klinisch nicht selten nur als Erkältung.» 

Die vielzitierten Langzeitfolgen nach Covid-19 gibt es übrigens auch nach anderen schweren viralen Erkrankungen wie Influenza («postvirales Syndrom»).

Die Case Fatality Rate (CFR) (=Fall-Verstorbenen-Anteil), bezeichnet den Anteil der Personen mit einer bestimmten Erkrankung, die an dieser Krankheit sterben.

Aufgrund der Primärdaten vom BAG hat ein Arzt und Professor, welcher nicht genannt sein darf, folgende Grafik erstellt:  Er hat die Case Fatality Rate der ersten und der zweiten Welle in der Schweiz miteinander verglichen.

Die Case Fatality Rate CFR in der Schweiz war in der ersten Welle bei über 5% (ohne >80-Jährige bei 1.97%, für <60-Jährige 0.25%).  In der zweiten Welle ist die Sterblichkeit deutlich geringer bei 1.06%.  Für unter 80-Jährige beträgt die Sterblichkeit 0.38%, für unter 60-Jährige gar nur 0.021%, ist also praktisch gleich Null.  Doch auch für über 80-Jährige, viele davon mit mehreren Risikofaktoren, bedeutet die Diagnose COVID-19 längstens nicht immer das Todesurteil, werden doch 9 von 10 über 80-Jährigen wieder gesund.

Nicht berücksichtigt ist die Tatsache, dass zu Beginn der ersten Welle nur Schwerkranke, die hospitalisiert werden mussten, sowie Gesundheitspersonal, abgestrichen wurden.  Die effektive Zahl der Infizierten in der ersten Welle war somit sicher deutlich höher, was die CFR auch der ersten Welle reduzieren würde.

Bei diesen Zahlen muss auch berücksichtigt werden, dass die Definition des Corona-Toten sehr weit gefasst ist und alle Verstorbenen, welche in den letzten 28 Tagen einen positiven Abstrich hatten, beinhaltet.  De facto sind es also deutlich weniger Tote, die effektiv an COVID-19 verstorben sind, als uns die offiziellen Zahlen weiss machen wollen.


Die geringere CFR der zweiten Welle ist teilweise sicher auf verbesserte Therapien zurückzuführen, da man dazugelernt hat (keine frühe Intubation mehr, Antikoagulation) und auch auf die gute Organisation  unseres Gesundheitssystems, welches sehr professionell auf den unterschiedlichen Bedarf an IPS-Betten reagiert und bei Bedarf Wahleingriffe mit IPS-Nachbetreuung zurückstellt.  Dies auch ohne bundesrätlichen Befehl.                                                                                                                                                                                                               

Hier die Zahlen:


Die Strategie und die Massnahmen wurden aufgrund der Annahmen der ersten Welle erstellt.  Glücklicherweise hat sich nun herausgestellt, dass die Gefährlichkeit deutlich überschätzt wurde. 

Die Massnahmen sind somit nicht verhältnismässig.

Die folgende Graphik ist adaptiert aus den Datenbanken des Bundesamts für Statistik (BFS): 

(Erstellt und freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. Peter J. Huber)

Sie zeigt die wöchentlichen Todesfälle in der Schweiz, 2015 (blau) und 2020 (gelb), letztere bis zum 08.11.2020 (Woche 45).  Unterteilt in die beiden Altersgruppen 65+ J. (oben; im Mittel etwa 1200 Tote pro Woche) und 0-64 J. (unten; im Mittel etwa 200 Tote pro Woche). 

Die letzten 5 oder 6 Zahlen von 2020 sind „Hochrechnungen“ und mit Vorsicht zu geniessen. 

Diese Grafik sagt uns: 

  1. Die Grippe-Epidemie von 2015 und die Covid-19-Epidemie von 2020 zeigen, abgesehen von einer zeitlichen Verschiebung von etwa zwei Monaten, einen bemerkenswert ähnlichen Ablauf. Bei der (kaum beachteten) Epidemie von 2015 übersteigen 11 von den wöchentlichen Todesfallzahlen der über 65-jährigen die erwarteten Werte um mehr als 100 Tote; bei der Pandemie von 2020 sind es 5. Bei beiden Epidemien übersteigen 4 von den wöchentlichen Todesfallzahlen die erwarteten Werte um mehr als 200 Tote.
  2. Die Gruppe 0-64 J. hat eine völlig normale Sterblichkeit, ist somit nicht relevant betroffen.

Fazit:  Die Bevölkerungsgruppe der unter 65-Jährigen. ist nicht relevant betroffen.  Für sie sollen alle Massnahmen gestoppt werden.  Die Bevölkerungsgruppe über 65 Jahre ist betroffen, v.a. die über 80-Jährigen und Immungeschwächten.  Sie sollen selber entscheiden dürfen, ob sie – unter Inkaufnahme eines gewissen Risikos – normal leben oder sich schützen wollen.  So wie die Selbstbestimmung auch in anderen Bereichen – zum Beispiel bei der Patientenverfügung – zum Tragen kommt.

Was können die Massnahmen überhaupt bewirken?

Die hohe Todesrate sei der Preis der liberalen Massnahmen, wird behauptet. Dies impliziert die Vorstellung, dass der Mensch durch Versammlungsverbote, Restaurantschliessungen, Maskenpflicht drinnen, Maskenpflicht auch draussen etc.  quasi am Rädchen drehen und damit die Neuinfektionszahlen direkt beeinflussen kann.

Meiner Ansicht nach ist das eine massive Fehleinschätzung.

Prof. Dr. med. Pietro Vernazza hat die Resultate einer Studie, die die Wirksamkeit von Lockdown-Massnahmen basierend auf den Erfahrungen von 48 Staaten untersucht hat, vorgestellt.  Die Autoren kommen zum Schluss, dass die Ausbreitung der Epidemie in allen Ländern – egal ob sie strenge Lockdown-Massnahmen oder kaum Massnahmen hatten – mehr oder weniger uniform war.  Nach einem kurzen exponentiellen Anstieg der Todeszahlen folgt ein Abfall der Todesfälle innert rund einem Monat auf sehr tiefe Werte (in allen Ländern!).  Nach dem Abfall der epidemischen Kurve sind die Todeszahlen nicht mehr angestiegen, auch wenn die «Lockdown»-Massnahmen in zahlreichen Staaten massiv gelockert wurden. (Quelle)

Eindrücklich sind auch die Kurven der verschiedenen Länder nach Einführung der Maskenpflicht, zusammengestellt von einem amerikanischen Bioingenieur. Sie zeigen, dass der Kurvenverlauf völlig unbeeindruckt von dieser Massnahme ist und unterstreichen, dass Masken im Alltag keinen Effekt auf den Verlauf der Epidemie haben.

Eindrücklich auch das Video vom amerikanischen Bioingenieur, der die Schutzwirkung der Masken betreffend Aerosole testet

Was haben die Massnahmen in der Schweiz bewirkt?

Schauen wir uns die Kurve der Positiv-Getesteten an.  

Zwischen der ersten Welle im März/April und der zweiten Welle im Herbst gab es viele Monate, wo das Virus zwar immer da war, sich aber nicht weiter ausgebreitet hat.  In diesen Monaten hat folgendes stattgefunden:

-Pfadi-Lager etc.

-Fussball-Training – und Spiele ohne Masken, Volleyball-Training und – Spiele ohne Masken

-Chöre haben gesungen und geprobt

-Blasmusiken haben gespielt und geprobt

-Veranstaltungen bis 1000 Personen haben stattgefunden (mit Schutzkonzept)

-Konzerte, Kinos, Theater hat stattgefunden (mit Schutzkonzept)

-Restaurants waren geöffnet, Anlässe mit vielen Personen waren möglich

-Gottesdienste, Beerdigungen, Hochzeiten, Konfirmationen, Erstkommunionen, Firmungen etc. haben stattgefunden ohne Masken (mit Schutzkonzept)

-Kinder und Jugendliche bis zur neunten Klasse konnten ganz normal ohne Maske zur Schule gehen und ohne Maske in der Schule den Sportunterricht besuchen

-Einkaufen ohne Maske

-grosse Demonstrationen

Obwohl dies alles stattgefunden hat, sind die Zahlen nicht angestiegen.  Erst im Herbst sind die Zahlen wieder plötzlich massiv angestiegen, trotz der Massnahmen.  Weshalb dieser Anstieg im Herbst?  Da es sich bei SARS-CoV-2 um ein saisonales Atemwegsvirus handelt.  Im Herbst haben Schnupfen, Husten, Fieber immer schon zugenommen.

Was sagt uns der Kurvenverlauf in der Schweiz?  All die erwähnten Veranstaltungen und Aktivitäten haben keinen relevanten Einfluss auf den Verlauf der Pandemie.  Es ist die natürliche Ausbreitung dieses Virus.

Vor drei Wochen hat Basel-Stadt die Massnahmen drastisch verschärft (Schliessung von Restaurants, Sportmöglichkeiten etc.).  Trotzdem sind die Zahlen weiterhin  angestiegen.  Somit müsste doch festgestellt werden, dass diese Massnahmen nichts gebracht haben.  

Bei jeder Epidemie werden die Zahlen – nach anfänglicher steiler Zunahme – ihr Maximum erreichen und dann wieder zurückgehen.  Völlig unabhängig davon, ob Massnahmen ergriffen werden oder nicht. Das kennen wir von der allwinterlichen Grippewelle.  Fallen die ergriffenen Massnahmen dann in den Zeitraum, wo das Maximum sowieso erreicht ist, kann der Eindruck entstehen, es sei wegen der Massnahmen.  Meiner Ansicht nach war dies unter anderem bei den Restaurantschliessungen in der Westschweiz der Fall, die Zahlen in der Westschweiz waren so hoch (teilweise viermal so hohe Inzidenz pro 14 Tage wie jetzt in der Deutschschweiz bei doppelt bis fast dreimal so hoher Positivätsrate) das die Zahlen zwangsläufig zurückgehen mussten.

Jede flächendeckende Massnahme muss überprüft werden:

-auf ihre Wirksamkeit

-auf ihre Schadlosigkeit

Diese Überprüfung findet offensichtlich nicht statt (jedenfalls nicht öffentlich kommuniziert).

Dies ist eine schwere Unterlassung, die so nicht stehen gelassen werden darf.

Das Testen, Zählen und tägliche Publizieren der Zahlen hat nichts damit zu tun, was ich im Medizinstudium gelernt hatte. Es widerspricht den Regeln der medinischen Kunst, die besagt, dass keine Laborresultate sondern Menschen behandelt werden sollen und dass bei Gesunden keine Abstriche durchgeführt werden sollten.

Was sollten die Behörden anders machen? 

Standortbestimmung. Innehalten und überprüfen, wie gefährlich das Virus nun wirklich ist. Respektive:  Diese Zahlen sind bekannt, werden aber negiert.  SARS-CoV-2 verläuft bei über 95% ohne Symptome oder sehr milde (ein paar Tage Kopfschmerzen, Schwindel oder einfach nur Müdigkeit).  Schwere Verläufe gibt es.  Sie sind aber deutlich seltener, als initial befürchtet.  Die Intensivpflege-Stationen der Schweiz haben sehr professionell auf den gesteigerten Bedarf reagiert durch Reduktion der Wahleingriffe, und auch durch ein Stufensystem, wo die Spitäler sich zuerst regional, dann interregional gegenseitig aushelfen, sodass es nie zu einer Überlastung der Intensivpflegebetten gekommen ist.  Die aktuelle Auslastung beträgt 80% (SRF-so entwickeln sich die Fallzahlen in der Schweiz).  Die Behörden sollten weniger auf Experten setzen, die sich mit Computer-Modellen gut auskennen, sondern die Patienten behandeln.  Und dabei ist es wichtig, dass nicht nur Intensivmediziner zu Worte kommen, sondern auch Hausärzte.

Sie sollten aufhören, alle Menschen auf eine Krankheit zu testen und diese Zahlen zu publizieren.  Das bewirkt ausser Panik nichts.  Absolute Zahlen sagen sowieso wenig aus, sie müssten in ein Verhältnis gesetzt werden.  Zum Beispiel müsste bei den Todeszahlen gesagt werden, viele Personen gesamthaft in der Schweiz verstorben sind, oder wie viele Personen in anderen Jahren an grippeähnlichen Erkrankungen gestorben sind.  Problem ist, dass die Zahlen nur bedingt vergleichbar sind, da bisher noch nie die ganze Menschheit auf einen Erreger abgestrichen wurde und auch die Todesdefinition unterschiedlich ist.

Sie sollten aufhören, sich von anderen politischen Entscheidungen beeinflussen zu lassen oder von Parteien, welche nach strengen Massnahmen schreien.  Sie sollten nicht politische Entscheidungen treffen, welche opportun sind, obwohl sie nichts bringen und v.a. Symbolpolitik entsprechen. 

SARS-CoV-2 ist eine Infektionskrankheit, deshalb ist es grundsätzlich ein medizinisches Problem.  Politiker haben in dieser Frage ein viel zu starkes Gewicht und versuchen, diese Macht zu zementieren, auch wenn die Pandemie vorbei sein sollte.

Durch den massiven Ausbau einer ganzen Industrie, welche von Corona profitiert und nicht an einem baldigen Ende interessiert ist – ich denke da ans Contact-Tracing, an die Labors, an die Maskenhersteller und an alle, die Bürokratie und Kontrolle schätzen – wird es nicht einfach sein, diesen Staatsapparat wieder runterzufahren

Welche Schutzmassnahmen bringen etwas?

Die einzigen Massnahmen, die nachgewiesen etwas bringen, sind Hygienemassnahmen (also Händewaschen, sich nicht die Hand geben), bei Krankheit zuhause bleiben und Distanz.  Alles andere ist umstritten.  Ich staune, wie unkritisch nun alle Masken tragen, nachdem es anfangs Jahr geheissen hat, Masken im Alltag haben keinen relevanten Effekt. Die Reisequarantäne im Sommer und Herbst hat ja auch nichts gebracht, da von diesen Menschen praktisch niemand krank wurde.  Das BAG hat dies schon anfangs September gewusst. Auf kritische Nachfragen von Kantonen hiess die Antwort, es gehe nicht nur um evidenzbasierte Wirksamkeit, sondern um das «politische und psychologische Ziel/ Effekt».  Man erreiche damit, dass die Leute weniger reisen. 

Meine Befürchtung: Nicht nur die Massnahme der Reisequarantäne, sondern auch weitere Massnahmen – wie zum Beispiel Masken in der Öffentlichkeit – basieren nicht auf Evidenz, sprich nachgewiesener Wirksamkeit – sondern auf politischen Überlegungen.

Als braver Bürger fragt man sich:  Es kann doch gar nicht sein, dass die Entscheidungsträger wider besseren Wissens die Massnahmen fortsetzen zum Schaden der Gesellschaft, wie ist das möglich?

Ich weiss es auch nicht sicher.  

Zu Beginn der ersten Welle wusste man noch nicht, wie schlimm es sein wird, die strengen Massnahmen waren nachvollziehbar.  Im weiteren Verlauf wurde an der Strategie einfach festgehalten, eine Standortbestimmung und Neubeurteilung der Gefährlichkeit des Virus hat bis heute noch nicht stattgefunden, die Massnahmen werden auch nicht auf ihre Effektivität untersucht noch möchte man wissen, wieviele der positiv Getesteten ohne Symptome sind. Die Erkenntnis, dass der PCR-Test nicht validiert und ungenau ist, wird von offizieller Seite einfach ignoriert. 

Je länger die Massnahmen andauern und massiven Schaden anrichten, je mehr Geschäfte und Restaurants eingegangen, je mehr Menschen ihren Job verloren haben – umso schwieriger wird es sein, zuzugeben, dass die Strategie falsch war.  Glücklicherweise lässt sich der Bundesrat nicht völlig auf die Ratschläge seiner Task-Force ein und versucht, einen Mittelweg zu gehen.

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