COVID-19

Die zweite Welle ist längst da

So, ich habe heute mal wieder die Positivitätsraten geplottet und präsentiere Euch hier die Resultate. Wie immer stammen die Zahlen offiziell vom BAG und sind nicht von mir erfunden.

Die Zahl der laborbestätigten Fälle ist stetig steigend. Wie den unteren beiden Grafiken zu entnehmen ist, stimmt das schon….

Verlauf der absoluten Zahlen, geplottet von Comm4u, Stand 06.09.2020.

….aber man darf nicht ausser Acht lassen, dass wir während der ganzen Corona-Krise noch nie so viele Tests durchgeführt haben, wie in der Kalenderwoche 35, was ebenfalls aus dem oben verlinkten Situationsbericht hervorgeht:

Es sind die absoluten Zahlen, mit welchen man dem Volk aufzeigt, wie sich das Schreckensgespenst Covid-19 weiter in der Bevölkerung verbreitet. Und man warnt eingehend vor einer zweiten Welle, die noch viel gefährlicher werden könnte als die Erste.

Diese Aussage ist so per se schon falsch. Betrachtet man nämlich die Positivitätsrate – also die Anzahl der positiv Getesteten im Verhältnis zu den total durchgeführten Tests – sieht man klar: die zweite Welle ist längst da. Sie ist sogar bereits wieder am Abflachen – sofern die Tendenz so bleibt, wie sie aktuell ist:

Verlauf der prozentualen Zahlen, geplottet von Comm4u, Stand 06.09.2020.

Es gibt wohl einige Aussreiser, aber die Welle ist klar ersichtlich und auch deren Entwicklung gegen unten ist erkennbar. Und wer dem jetzt nicht glaubt, sondern sich auf die Statistik des BAG verlassen will (obwohl meine Zahlen ja exakt vom BAG stammen), der betrachtet sich die Zahlen der Hospitalisationen und der laborbestätigten Todesfälle:

Auch hier ist die Tendenz der zweiten Welle ersichtlich und auch hier flacht sie langsam aber sicher wieder ab. Klar, wir wissen nicht ob das so bleibt und ja, es wird wohl eine dritte, vierte, fünfte Welle geben – wie es sie auch bei der Influenza saisonal bedingt gibt. Aber wir brauchen uns, angesichts der aktuellen Situation, darüber keine Sorgen zu machen.

Diese sorglose Einstellung meinerseits wird bestätigt durch die letzte Grafik, die ich Euch heute präsentieren möchte, die aus demselben Sheet des BAG stammt. Hier sind die Betten auf den IPS (Intensivpflegestationen) und deren Belegung thematisiert:

Verlauf der Bettenbelegung auf den IPS gemäss BAG, Stand 02.09.2020.

Hier wird ersichtlich, dass zurzeit rund 68% der Betten belegt sind, ergo bleiben rund 32% der Betten frei. Es wird aber auch deutlich, dass nur rund 1-2% maximal von Covid-Patienten belegt ist. Den Löwenanteil der Pflegebedürftigten auf den IPS stellen non-Covid-19 Patienten. Und bei ganz genauem Hinsehen ist auch hier die zweite Welle ganz leicht ersichtlich.

Warum zeige ich Euch diese Grafik überhaupt? Weil es mittlerweile bekannt ist, dass die Tests, die durchgeführt werden, nicht zu 100% verlässlich sind. Und selbst wenn jemand positiv getestet wird, heisst es nicht, dass die Person schwer oder gar überhaupt erkranken wird bzw. Symptome zeigt. Daher suggerieren die Fallzahlen aber teilweise auch die Positivitätsrate ein etwas verquertes Bild.

Bei den Bettenbelegungen sprechen wir allerdings von absoluten Zahlen, die nachweisbar und nicht abzustreiten sind – genauso wie bei den Todeszahlen, die übrigens auch stetig sinken. Daher ist es wichtig, sich immer möglichst vollumfänglich zu informieren und sich aufgrund des sich zeigenden Lagebildes selber eine Meinung zu bilden.

Ich empfehle Euch, den wöchentlichen Situationsbericht des BAG regelmässig zu lesen, ihn zu studieren und Euch wirklich eingehende Gedanken darüber zu machen. Es wird bald auffallen, dass sich das vom BAG herausgegebene Papier mit den in den Pressekonferenzen und in den Medien gemachten Aussagen widerspricht. Und da werfe ich die Frage auf: Warum glaubt man den Aussagen des BAG in den Medien noch, wenn doch das BAG selbst auf seiner Webseite mit seinem Situationsbericht genau das Gegenteil beweist…

Ein wichtiger Hinweis noch zum Situationsbericht des BAG: Auf der zweitletzten Seite unter Fussnote 1 ist zu lesen:

„COVID-19 Verdacht ist hier definiert als akute Erkrankung der Atemwege und/oder Fieber 38°C ohne andere Ätiologie und/oder plötzliche Anosmie und/oder Ageusie und/oder akute Verwirrtheit oder Verschlechterung des AZ bei älteren Menschen ohne andere Ätiologie.“

Situationsbericht zur epidemiologishen Lage in der Schweiz und im Fürstentum Lichtenstein, herausgegeben vom BAG.

Übersetzt heisst das:

„COVID-19 Verdacht ist hier definiert als akute Erkrankung der Atemwege und oder Fieber höher oder gleich 38°C ohne anderen zugrundeliegendem Zusammenhang und/oder plötzlichem Fehlen des Geruchsinnes und oder des Geschmakssinnes und/oder akute Verwirrtheit oder Verschlechterung des Allgemeinzustands bei älteren Menschen ohne anderen zugrundeliegendem Zusammenhang.“

Das klingt sehr verwirrlich, heisst aber nichts Anderes als: Wer 38°C Fieber hat steht bereits unter COVID-19-Verdacht. Ältere Menschen, die verwirrt sind oder deren Allgemeinzustand sich plötzlich verschlechtert, was gerade bei älteren Menschen sehr von der Tagesform abhängt, sind COVID-19-verdächtig. Es gilt also der Generalverdacht.

Das Hauptproblem ist hier meines Erachtens die Formulierung „und/oder“ und die Nennung der sogenannten „Ätiologie“, die nichts anderes bedeutet als „ohne anderen zugrundeligendem Zusammenhang“. Durch diese Formulierung wird de facto jedes Symptom, das auch auf 100 andere Krankheiten hinweisen kann (insbesondere Fieber) sofort als Covid-19-Verdacht gewertet. Finde ich – gelinde gesagt – speziell.

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