In der Schweiz, Unterwegs

Die Mystik von Regenwetter

Heute möchte ich Euch etwas über die Aareschlucht erzählen. Dabei will ich mich nicht auf geologische oder historische Exkurse einlassen, diese Informationen findet ihr sehr professionell aufgearbeitet hier: Geologie und Literatur. Vielmehr geht es darum, zu berichten, wie ich es (zusammen mit meinem Mann) erlebt habe.

Eigentlich sollten wir heuer um diese Zeit in Island sein und mit dem Camper durchs Land ziehen – die Corona-Krise zwang uns schliesslich zum zu Hause bleiben. Doch wir wollten uns den Sommer nicht verderben und uns das Campingerlebnis nicht nehmen lassen. Also haben wir kurzerhand unser Zelt und die Schlafsäcke gepackt und sind loszgezogen.

Wir hatten einige Dinge auf unserer Bucketlist, wie etwa die Beatushöhlen und den Ballenberg (dazu in einem anderen Blog mehr) und eben auch die Aareschlucht. Geographisch gesehen haben wir uns für den Standort Meiringen entschieden und haben dort für drei Nächte auf dem Campingplatz „Alpen Camping“ unser Lager aufgeschlagen. Der Alpen Camping ist sehr zu empfehlen, sauber, freundlich und zentral gelegen.

Wir sind am Donnerstag angekommen und planten für Freitag den Ausflug in die Aareschlucht. Nun, das Wetter sollte nicht wirklich gut werden, der Wetterfrosch hat Regen angekündigt. Doch unsere Recherche ergab, dass die Aareschlucht auch bei Regenwetter begehbar – und sogar noch schöner bzw. mystischer sein soll als bei strahlendem Sonneschein. Also gingen wir relativ früh schon los und waren dann doch recht erstaunt, als viele Fahrzeuge den Parkplatz bevölkerten…

Der Eintritt in die Schlucht kostet CHF 9.– pro Person und gilt als Tageskarte. Das heisst, für diese neun Franken kann man von einer Seite auf die andere UND wieder zurück. Das war für uns insofern noch wichtig, da wir keine Lust hatten in den maskenpflichtigen ÖV zu steigen und uns lieber an der frischen Luft bewegen – ohne Maske. Seit dem 04. August gilt leider auch in der Aareschlucht eine generelle Maskenpflicht. Dazu lasse ich mich an dieser Stelle aber nicht aus und freue mich darüber, dass es bei uns noch nicht so war.

Die Länge der Aareschlucht ist 1,4 km – meist geht es geradeaus, nur auf der Ostseite (von der Westseite her kommend) steigt der Weg etwas an, ist aber problemlos zu meistern. Ich hatte etwas Sorgen, dass mein Mann und ich, die wir beide unter Höhenangst leiden, Mühe haben werden mit dem aus Holzbbrettern gefertigen Steg, doch wir kamen problemlos über die Holzstege. Obwohl es bei mir am Anfang etwas gedauert hat, bis ich Vertrauen in die Konstruktion gefasst habe.

Der Spaziergang ist wunder, wunder schön, die Schlucht unglaublich beeindruckend und auch das Wasser, das von überhall her runterkommt und unter einem durchbraust – es zeigt einem auf eindrückliche Art und Weise die Naturgewalten auf. Gutes Schuhwerk ist empfohlen, besonders bei regnerischem Wetter. Will heissen, Sandalen sind ungünstig, Chinaschlappen auch. Bei schönem Wetter reichen Turnschuhe aus, bei schlechtem Wetter sind Trekkingschuhe empfohlen, die rutschfeste Sohlen haben und auch von oben her das Wasser abhalten – sonst könnte es für die Füsse feucht werden…. Apropos Feuchtigkeit: Nehmt eine Regenjacke mit, denn es könnte tatsächlich auch von oben nass werden und bitte, liebe Touristen, verzichtet auf Regenschirme in der Aareschlucht – etwas unpraktischeres gibt es auf dem schmalen Steg nun wirklich nicht.

Hier einige Eindrücke aus der Aareschlucht:

Ein interessantes Detail haben wir dann auch noch gefunden, das vor allem die Armeeaffinen Leser unter euch ansprechen wird. Etwa in der Mitte der Schlucht, unter Punkt 11, befindet sich eine Kaverne aus dem zweiten Weltkrieg. Also eigentlich sind es zwei: die grössere sollte als Schlafkaverne für insgesamt 185 Offiziere und Soldaten dienen, während in der kleineren die notwendigen technischen Installationen untergebracht waren. Büro-, Aufenthaltsräume und Essplätze wären in einem im Tunnel stationierten Zug geschaffen worden. Die Kaverne wurde allerdings nie benutzt. Warum ist unbekannt.

Hier einige Bilder:

Übrigens kann man beim Besuch der Aareschlucht ein Kombiticket lösen, mit welchem man auch zu den Reichenbachfällen kommt, wo nach dem Roman von Sir Arthur Connan Doyle Sherlock Holmes und Professor Moriarty gekämpft und gemeinsam die Fälle hinabgestürzt sind. Wir haben auf einen Besuch der Reichenbachfälle verzichtet, einerseits Wetterbedingt (dafür hätte es wirklich schöner sein müssen), andererseits aber, weil wir den ÖV aufgrund der Maskenpflicht meiden und da fährt nunmal nur die hisorische Reichenbachfallbahn hoch… Das holen wir ein anderes Mal nach. Besucht haben wir hingegen das Sherlock-Holmes Museum in Meiringen – dem sei dann aber ein nächster Blog gewidmet.

Schlussfazit zur Aareschlucht: Sehr sehenswert, gutes Alternativprogramm auch bei schlechtem Wetter – Wetterfeste Kleidung ist sehr empfohlen.

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