COVID-19

Sterben 2020 wirklich mehr Menschen in der Schweiz?

Sprechen wir mal über etwas, über das niemand gerne spricht: den Tod.

Wie in meinem vorhergehenden Blog beschrieben, ist die Zahl der bestätigten Infizierten nur ein Anhaltspunkt. Denn getestet werden nur diejenigen, die Symptome aufweisen, Kontakt mit Infizierten hatten oder aus einem Risikoland zurückgekommen sind. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein. Und das wäre gut. Denn nochmals: es lassen sich vor allem jene Leute testen, die Symptome aufweisen. Ergo: Je höher die Dunkelziffer, desto höher die Zahl der Menschen, die das Virus zwar in sich tragen, aber keinerlei Symptome aufweisen.

Aber zurück zur Mortalität. Hier gibt es so gut wie keine Dunkelziffer, also ist es die Zahl, die am meisten Informationen über die Schwere einer Pandemie gibt – denn es ist die Zahl, die uns alle am meisten betrifft. Wir wollen doch wissen, wie viele Menschen müssen aufgrund dieser Krankheit sterben?

Jeder Tote ist einer zu viel. Ich bin sicher, dass wir uns hier einig sind. Egal warum jemand sterben muss. Die einzige Bedingung, an die das Leben geknüpft ist, ist der Tod – und weil Menschen in diesem Land sterben, habe ich die Sterberate der ganzen Schweiz (über alle Altersgruppen) angeschaut und sie mit den fünf Jahren zuvor verglichen.

Die Zahlen stammen übrigens vom Bundesamt für Statistik und sind dort abrufbar.

Nachfolgende Grafik zeigt uns ein deutliches Rauschen im Bild der Sterberate. Es gibt einige Peaks: in Gelb 2015, in Lila 2017 und in Dunkelblau 2020.

Was wir hier sehen ist, dass wir 2015 Anfang Jahr aber auch im Sommer eine erhöhte Sterberate gehabt hatten. Das ist zurückzuführen auf eine starke Grippewelle, wie auch die Medienmitteilung des BFS von damals zeigt. Selbiges Bild 2017, auch hier ist eine Grippewelle schuld am Ausschlag. Und dann kommt das Corona-Jahr 2020. Wir sehen hier einen Ausschlag, der in Zahlen auf dem Peak einen Unterschied von 2 ausmacht.

Hier ist aber wichtig: das sind die Zahlen der total gestorbenen Menschen. Jetzt sterben Menschen grundsätzlich nicht nur an der Grippe oder an CORONA. Es gibt gerade im Winter Wintersportunfälle, andere tödliche Krankheiten wie Krebs, Verkehrsunfälle, Freitode, etc… Die sind alle in diesen Zahlen drin. Angesichts dessen ist der Peak-Unterschied von 2 so verschwindend klein, dass man guten Gewissens sagen kann: Bis jetzt (Stand 02.08.2020) starben während der CORONA-Pandemie nicht mehr Menschen als in einem Jahr mit starker Grippewelle.

Diese Tatsache hat mich neugierig gemacht und ich habe angefangen die verschiedenen Zahlen zu vergleichen. Betrachtet man die Mortalität der 20-39-Jährigen zwischen 2015 und 2020, ist lediglich ein Rauschen zu sehen – die Rate steigt, sinkt und ist sehr volatil. Man kann also nicht sagen, dass in dieser Altersgruppe im Jahr 2020 bisher mehr Menschen gestorben sind als üblich.

Genauso verhält es sich übrigens mit der nächsten Altersklasse der 40-64-Jährigen. Die Todesrate ist ganz allgemein höher als bei den Jüngeren, doch eine besondere Laune der Natur ist auch hier noch nicht feststellbar.

Schauen wir nun die Mortalitätsrate der 65-79-Jährigen an. Auch hier ein undeutliches Rauschen. Wir sehen aber einen klaren Peak im Jahr 2020. Wie viel von diesen verstorbenen Leuten dieser Altersklassen an CORONA verstorben sind ist nicht klar, weil auch hier die Gesamtzahl der Todesfälle abgebildet wird. Aber wir sehen doch eine erhöhte Rate in den Kalenderwochen 10 bis 18.

Die letzte untersuchte Kategorie ist jene der Personen 80+. Hier ist interessant, dass nicht nur das Jahr 2020 einen Peak aufweist, sondern auch die Jahre 2015 und 2017. Also die Jahre, in welchen die Influenza in der Schweiz stark grassierte. In Zahlen ist der Peak 2020 um 22 Zähler höher als 2015. Der Peak 2020 steigt zwar steiler (ein beliebtes Argument der Corona-Phobiker), er sinkt aber auch deutlich schneller wieder ab. Jetzt ist dies sicher auch darauf zurückzuführen, dass die älteren Menschen isoliert wurden und einige (aber nicht die Mehrheit), in der Öffentlichkeit Maske trugen.

Zu den Masken an dieser Stelle noch ein kleiner «Funfact»:

Die Maskenpflicht im ÖV wurde eingeführt NACHDEM die Mortalitätsrate sich wieder im Normalbereich eingependelt hat. Seit den ersten Lockerungen bis zur Maskenpflicht im ÖV sind die Fallzahlen stetig gesunken bzw. hat sich die Positivitätsrate auf einem sehr tiefen Niveau im Bereich von 0,5 und 1,3 Prozent gehalten. Dann wurde per 06.07.2020 die Maskenpflicht eingeführt.

«Wenn die Maskenpflicht so essenziell ist, warum hat man sie nicht dann eingeführt, als die Positivitätsrate noch bei über 20 Prozent war?»

Abschliessend habe ich die Zahlen der 20-39-Jährigen und der Generation 80+ verglichen, wie die Mortalitätsrate 2020 aussieht im Vergleich zum Grippejahr 2015:

Bei den Jüngeren wird klar, dass nichts klar ist. Kein deutlicher Ausschlag, kein deutlicher Unterschied. Normales Unschärferauschen. Kein Grund zur Besorgnis.

Ganz so unklar ist es bei der Generation 80+ nicht, wir sehen unten, dass es in beiden Jahren einen Peak gibt, der fast gleich hoch ist (in Zahlen beträgt der Unterschied 22). Bis Kalenderwoche 12 ist die Rate aber tiefer als 2015 und ab Kalenderwoche 18 halten sich die beiden Kurven wieder die Waage.

Auch hier ist kein massiver Grund zur Besorgnis erkennbar. Während der Grippezeit ist es sowieso angebraucht auf unsere Generation 80+ besonders Acht zu geben, weil ihr Immunsystem naturgegeben viel schwächer ist – deshalb wird auch Menschen ab 65 Jahren jedes Jahr empfohlen, sich gegen die Influenza impfen zu lassen.

Also Sorge ja, aber eigentlich immer, weil wir für jeden Menschen, der dieses hohe Alter erreicht dankbar sein dürfen und ihm entsprechend Sorge tragen sollten.

Das Factsheet zu dieser Thematik gibt es hier als PDF zum Download.

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