COVID-19

Bundesrat ruft schweizerische Apartheid aus

Mir ist bewusst, dass ich mit dem Ausdruck der „Apartheid“ ganz tief in gewissen Wunden wühle aber per Definition heisst Apartheid nichts anderes als:

Apartheid ist ein im Völkerrecht definiertes Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Internationale Konvention über die Bekämpfung und Bestrafung des Verbrechens der Apartheid vom 30. November 1973 definiert es in Artikel II als „unmenschliche Handlungen, die zu dem Zweck begangen werden, die Herrschaft einer rassischen Gruppe über eine andere rassische Gruppe zu errichten und aufrechtzuerhalten und diese systematisch zu unterdrücken.

Wikipedia

oder

Apartheid: auf rassistischer Ideologie beruhende Politik der räumlichen Separation bzw. Rassentrennung. […] Auf Ebene der öffentlichen Einrichtungen (Parks, Theater, Transportmittel, etc…) führte die Apartheid durch bevölkerungsgruppenspezifisch strikt getrennte und genau geregelte Zugänge zur starken Einengung und räumlichen Diskriminierung individueller Aktionsräume. […] auf nationaler Ebene wurden Sonderzonen errichtet […]

Wirtschaftslexikon

oder

Politisch-gesellschaftliche Doktrin der Rassentrennung, nach der früher die einzelnen ethnischen Bevölkerungsgruppen in der Republik Südafrika voneinander getrennt wurden.

Duden

Und schon höre ich sie alle schreien „das kann man nicht vergleichen“, „das ist respektlos gegenüber der südafrikanischen Bevölkerung“, „das ist rechte Hetze“…. und…und…und…

Ja, der Vergleich ist extrem – das gebe ich zu. Aber die Situation ist auch extrem. Ich meine, irgendwie kommt mir die Art und Weise schon sehr bekannt vor. Was der Bundesrat heute ausgerufen hat ist genau das:

Zugang zu öffentlichen Einrichtungen wie Kino, Restaurants, Zoos, Hallenbäder, Fitnesscenter, etc. nur noch mit Covid-Zertifikat. Ein Zertifikat, das man erhält, wenn man entweder geimpft, getestet (auf eigene Kosten) oder genesen ist (nur 6 Monate gültig). Gesund gibt’s nicht mehr – bzw. wird komplett ausgeklammert.

Quelle: BAG

Also ich verstehe richtig: draussen auf der Restaurantterasse verbreitet sich das Virus nicht, da brauchen wir kein Zertifikat, auch vor Gassenküchen und Restaurationsbetrieben in Transitbereichen von Flughäfen – was ist mit den Restaurationsbetrieben in Transitbereichen von Bahnhöfen? Aber in Zoos – da ist man übrigens auch mehrheitlich draussen, wie auf der Restaurantterasse auch – da darf man nur mit Zertifikat rein und der Besuch von Aquaparks, die ja, wenn wir nicht gerade vom Alpamare oder vom Laguna Badeland sprechen, ebenfalls mehrheitlich draussen sind, ist auch nur noch mit Zertifikat möglich.

Quelle: BAG

Und auch hier verstehe ich richtig: Konzerte, Theater, Kino, Sportveranstaltungen (ob drinnen oder draussen) sind ebenso zertifikatspflichtig wie Privatanlässe und Hochzeiten? Allerdings sind aus Gründen des Grundrechtsschutzes religiöse Veranstaltungen bis 50 Personen ausgenommen. Wenn man also mit maximal 50 Personen in der Kirche heiratet, braucht man kein Zertifikat – das gehört ja schliesslich zum Glauben. Wenn ich mir aber im Standesamt mit vier Personen das Ja-Wort geben will, dann brauche ich ein Zertifikat. – Ja logisch. Macht Sinn. *ironieoff*

Auch seine politische Meinung darf man künftig nur in Gruppen zu maximal 50 Personen zertifikatsfrei kund tun. Ist man 51 kostet die Widerhandlung CHF 100.– (im besten Fall):

Für die Kontrolle dieser unsäglichen Regeln sind dann aber wiederum die Kantone zuständig. Das Unangenehme – um nicht zu sagen schlicht nicht Durchführbare – wird vom Bund seelenruhig wieder an die Kantone delegiert. Und diese werden dann von Alain Berset wieder gerügt, wenn sie nicht so spuren wie er sich das vorstellt.

Das Puff um Spitalbetten

Die Einführung der Zertifikatspflicht in – naja sagen wir der Mehrheit – der öffentlichen Anstalten, begründet der Bundesrat mit der aktuell kritischen Lage in den Spitälern:

Quelle: BAG

Daher mache ich jetzt einen kleinen Exkurs in das Puff um die Spitalbetten:

Obwohl die Zahl der Ansteckungen nach wie vor relativ tief bleibt im vergleich zum vergangenen Herbst und sich relativ stabil hält und obwohl in der Zwischenzeit mehr als 50% der Bevölkerung durchgeimpft ist, laufen unsere Spitäler am Anschlag? Jetzt schon? Was wenn die vierte (oder ist es doch erst die dritte) Welle wirklich einschlägt wie die zweite? Es kursieren ja spannende Gerüchte darum, dass die Spitäler trotz Notstand Intensivbetten und Pflegepersonal abgebaut haben sollen. So berichtet etwa die Seite medinside.ch.

Während meiner Recherchen bin ich übrigens auf diesen Bericht des Verbands Zürcher Krankenhäuser gestossen, den ich irgendwie nicht einordnen kann, der mich aber dennoch stutzig macht mit Blick auf die aktuelle Situation. Insbesondere dieser Teil:

Quelle: vzk

Wenn mir jemand beim Einordnen helfen kann, bin ich dankbar.

Weiter schreibt die Weltwoche, dass von den im März 2020 1400 vorhandenen Intensivbetten im September 2021 nur noch 852 vorhanden sind. Mich würde interessieren, wo sie diese Zahlen gefunden haben. Denn ich finde beim BAG beim besten Willen nur die Auslastung und keine effektiven Zahlen. Und Stand 08.09.2021 sind 78,7% der Spitalbetten ausgelastet und 80,5% der Intensivbetten. Wovon 3% auf der Gesamtauslastung zu Lasten von Covid-Patienten geht und rund 33,3% der Intensivbetten von Covid-Patienten belegt sind.

In diversen Gesprächen erzählt man mir, dass „im Kanton Aargau ganz normal Operationen durchgeführt werden, keine Spur von Aufregung wegen Überbelastung“. Eine andere Stimme erzählt mir, im Inselspital Bern seien 80% der Intensivbetten belegt, davon 1 Covid-Patient.

Nun, was diese Spitalüberlastung betrifft, weiss ich wirklich nicht mehr, was ich glauben soll und es bleibt für mich schlicht nicht nachvollziehbar. Was ich aber weiss, dass die Zahl der Hospitalisationen im Moment deutlich tiefer ist als noch Ende 2020 (KW49 2020 782 / KW 34 2021 393 – siehe nachfolgnde Screenshots) und trotzdem schreien alle um Hilfe…. und diese Rechnung geht für mich einfach nicht auf.

Quo vadis Bundesrat

Aber zurück zum Anfangsthema, die Ausweitung dieser Zertifikatspflicht: sind wir uns bewusst, dass auch Jugendliche ab 16 Jahren zertifikatspflichtig sind? Sind wir uns bewusst, dass diese Jugendlichen ihre Tests, wenn sie in den Ausgang wollen, selber bezahlen müssen? Man hält sie für nicht erwachsen genug, ein Fahrzeug zu lenken, eine Steuererklärung oder einen Stimmzettel auszufüllen – aber einen PCR-Test oder einen Schnelltest selber bezahlen, das können sie. Nein, das ist dann natürlich die Pflicht der Eltern, die dann, wohl oder übel den armen Teenie zum Impfen schicken, weil das im Porte-Monnaie weniger weh tut als Woche für Woche den Filius oder das Töchterchen zum Testen zu schicken…

Und die Durchführung eines Schnelltests muss dann noch genau getimed werden, denn was, wenn der 24h Test plötzlich mitten auf der Tanzfläche, beim scheuen Annäherungsversuch an ein hübsches Mädel oder einen sexy Jungen ausläuft? Und gerade die letzte aufgeworfene Frage zeigt aus meiner Sicht auf, wie absurd die ganze Geschichte ist.

Klar, man könnte jetzt sagen, lass dich einfach impfen, dann haste das Problem wenigstens die nächsten 12 Monate nicht…

Das stimmt natürlich nur bedingt. Weil, und achtung, jetzt kommt mein grosses Outing:

ICH BIN GEIMPFT

Hihihi…. hättet ihr wohl alle nicht gedacht, oder? Also, ich habe mich schon Anfang 2021 impfen lassen, weil ich immunsupprimiert bin. Ausserdem bin ich ja kein Verschwörungstheoretiker und intelligent genug, der Wissenschaft zu vertrauen – aber nicht blind. Ausserdem bin ich realistisch genug zu wissen, dass ich nicht weiss, was das Virus mit meinem supprimierten Immunsystem anstellt und wie mein Körper darauf reagiert. Also habe ich mich, um mich zu schützen, impfen lassen. Darum brauche ich auch kein bescheuerdes Covid-Zertifikat. Um anderen zu beweisen, dass ich mich schütze? Nicht mal vielleicht!

Denn ja, wir Geimpften schützen in erster Linie uns selber. Wir schützen nicht die anderen. Denn der Schutz vor Corona beträgt etwa bei der Pfizer Impfung 95%. Das heisst aber nicht, dass wir das Virus nicht weitergeben können. Sicher schlechter, aber wir können. Das geht auch aus einem Bericht des SWR hervor. Die Geschichte von wegen Solidarität zieht hier also nicht vollumfänglich.

So, das heisst, dass jeder für sich entscheiden kann, ob er sich selber schützen will oder nicht. Wer das nicht tut, der ist deswegen kein schlechter, assozialer oder dummer Mensch. Es ist einfach ein Mensch, der anderer Meinung ist und mit seinem Körper anders umgeht. Und das ist okay.

Daher akzeptiere ich es nicht, dass Personen, die nicht geimpft sind, benachteiligt, ausgegrenzt oder unter Druck gesetzt werden! Und darum weigere ich mich auch, ein Covid-Zertifikat auf mein Handy zu laden, weil ich was meine Gesundheit anbelangt niemandem ausser mir selber Rechenschaft schuldig bin. Punkt. Aber ohne Zertifikat können auch Geimpfte nicht in den Zoo, ins Hallenbad oder ins Restaurant. So gesehen bin ich ja auch solidarisch – mit den Ungeimpften…

Indirekter Impfzwang

Apropos unter Druck setzen: was jetzt hier läuft ist ein indirekter Impfzwang. Ich erkläre euch jetzt auch gleich warum. Wenn ich mich nicht impfen lasse, muss ich mich testen lassen um etwa ins Kino, in den Zoo oder ins Restaurant zu kommen. Das ist das Eine – aber jetzt muss ich den Test auch noch selber bezahlen? Geht’s noch? „Der Bund“ hat hierzu einige berechtigte Fragen gestellt.

Wer bezahlt denn die Impfung? Der Bund. Genau. Wer ist der Bund? Der Steuerzahler. Aha. Wenn man sich also aus Überzeugung nicht impfen lässt, sondern mehrmals pro Woche zum Testen auf Selbstkosten rennt, muss man dann dafür weniger Steuern zahlen? Oder kann man die Testkosten an den Steuern abziehen? Ich frage ja nur…

Achso und weil sich ja die nicht geimpften Coronakranken auf den Intensivstationen stapeln, will man einführen, dass diese ihre Spitalkosten selber tragen sollen. Das verlangte zumindest Mauro Poggia, der Genfer Gesundheitsdirektor. Die Präsidentin der nationalen Ethikkommission, Andrea Büchler, hält fest, dass die Ethikkommission solche Überlegungen klar ablehnt (SRF).

Poggia begründet seine Forderung damit, dass diese Patienten ja die Chance gehabt hätten, das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs zu minimieren. Okay, dann fällt aber unser ganzes Solidaritätssystem im Gesundheitswesen in sich zusammen. Denn dann sollen doch bitte auch Motorradfahrer, die schwer verunfallt sind, ihre Kosten selber tragen. Sie hätten das Risiko minimieren können, wären sie stattdessen Auto gefahren. Und auch die Skitourenfahrer bezahlen künftig ihre Kosten selber, denn sie hätten das Risiko minimieren können, wenn sie nicht abseits der Pisten gefahren wären. Und jeder an Lungenkrebs erkrankte Mensch, der zufällig auch noch Raucher war irgendwann in seinem Leben, bezahlt seine Gesundheitskosten auch selber, denn schliesslich hätte er das Risiko minimieren können, wenn er nicht geraucht hätte… Da bin ich schon froh, habe ich „nur“ MS – denn da ist noch immer nicht klar, durch was es ausgelöst wird und so hatte ich ja auch keine Chance, das Risiko zu minimieren. Schwein gehabt. *ironieoff*

Ruth Humbel übrigens, Nationalrätin der Mitte, wollte, dass sich Ungeimpfte hinten anstellen müssen. Auch dem steht die Ethikkommission kritisch gegenüber, denn man dürfe Menschen in den Spitälern nicht aufgrund ihres Impfstatus anders behandeln.

Nathalie Rickli, Regierungsrätin im Kanton Zürich und SVP Politikerin will sogar, dass Impfgegner „eine Patientenverfügung ausfüllen, die bestätigt, dass man im Fall einer Covid-Erkrankung keine Spital- und Intensivbehandlung will.“ Das sei echte Eigenverantwortung. Jetzt muss ich schon sagen, alle die immer auf der SVP rumhacken, von wegen die SVP ist die Partei mit den sogenannten Covidioten, den Massnahmengegnern, die Corona-opportunistische Partei – Nathalie Rickli gehört nach wie vor der SVP an… Damit sind alle Vorwürfe, die SVP (also die Partei ganz allgemein) wolle sich nicht an Massnahmen halten widerlegt. Wir sprechen hier längst nicht mehr von Parteienpolitik. Nur, auch das scheint keiner zu merken.

Und zu allem Überfluss gibt der Bundesrat auch den Arbeitgebern den Freipass, bei den Angestellten nach dem Covid-Zertifikat zu fragen.

Quelle: BAG

Das ist schwammig formuliert. Man dürfe das Zertifikat nur überprüfen, wenn es dazu dient die Teskonzepte umzusetzen oder angemessene Schutzmassnahmen festzulegen – also de facto im Moment zu jedem Zeitpunkt. Immerhin muss der Arbeitgeber die Kosten tragen, wenn er von seinen Arbeitnehmenden einen Test verlangt. Was passiert jetzt wenn ich kein Zertifikat habe? Ja, ich bin geimpft, aber nicht im Besitz eines bescheuerten Zertifikats…. Kann man mir jetzt kündigen? Wenn ich geimpft bin aber kein Zertifikat habe? Wenn ich mich testen lasse aber kein Zertifikat runterlade? Wenn ich einfach nur gesund bin und bleiben möchte? Ist das jetzt ein Kündigungsgrund? Ich frage ja nur…

Zertifikatspflicht nur befristet

Ja meine Lieben, ich habe es tatsächlich gelesen, die Zertifikatspflicht ist befristet bis am 24. Januar 2022. Und: „Der Bundesrat kann die Massnahme auch früher wieder aufheben, sollte sich die Situation in den Spitälern entspannen.“ Nun, das lässt etwas hoffen – aber auch nicht wirklich. Denn erstens wird der Bundesrat den Teufel tun, die Zertifikatspflicht vorher aufzuheben und zweitens werden die Spitäler nicht aufhören zu „mimimimimimi“ und damit ist die Zertifikatspflicht bis Ende Januar für mich besiegelt.

Es steht aber nicht, dass die Zertifikatspflicht verlängert werden kann. Sie ist klar befristet bis am 24. Januar. Ob sich der Bundesrat dieses Mal an sein Versprechen hält? Oder endet es wie mit dem leeren Versprechen vom April dieses Jahres:

Die Ausweitung der Zertifikatspflicht ist eine starke gesellschaftliche und wirtschaftliche Einschränkung. Zugangsbeschränkungen sind ab Montag an der Tagesordnung und man droht heute damit, dass das nur besser wird, wenn sich mehr Leute impfen lassen. Das ist so in etwa genau das Gegenteil davon, was man uns im April versprochen hat.

Abraham Lincoln hat mal gesagt:

Man kann alle Leute einige Zeit, einige Leute alle Zeit aber niemals alle Leute alle Zeit zum Narren halten.

Ich hoffe, dass sich dieses falsche Spiel für die Regierung am 28. November rächt und das Referendum gegen das Covid-19-Gesetz diesmal durchkommt.

Hier möchte ich noch erwähnen, dass es wirklich wichtig ist, gut zu LESEN WIE DER ABSTIMMUNGSTEXT FORMULIERT IST. Ob es ein „JA“ zum Referendum braucht oder ein „NEIN“ zum Covid-Gesetz. Ich habe den Abstimmungstext noch nicht gesehen, aber je nach Formulierung kann das zu Missverständnissen führen. Also: gut lesen!

You Might Also Like